Jobs in der agilen Entwicklung: Was ist ein Product Owner?

teaser-product-owner

Der Product Owner nimmt bei modernen, agilen Projekten eine wichtige Rolle ein. Was sind seine Aufgaben? Und wie können Sie selbst zu solch einem Scrum-Experten werden? Das und mehr erklärt Ihnen dieser Ratgeber.

Wo kommen Product Owner zum Einsatz?

Heutzutage werden IT-Projekte in der Regel nicht mehr nach klassischen Projektmanagement-Methoden umgesetzt. Stattdessen entstehen Software-Produkte und Innovationen nach einer agilen Methode wie Scrum. 

Beim sogenannten Agile Development - beispielsweise nach Scrum - ist so manches anders. Zum einen steht die schnelle, iterative Entwicklung der Produkte im Fokus. Zum anderen gibt es neue Rollen und Positionen, die an der Umsetzung mitwirken. Eine davon ist der Product Owner, kurz PO.

Was macht ein Product Owner?

Innerhalb eines Scrum-Prozess’ arbeitet der Product Owner eng mit dem Scrum Master und dem Entwicklungsteam zusammen. Sie bringen gemeinsam die agile Entwicklung voran. Diese besteht - verkürzt dargestellt - aus folgenden mehreren Elementen :

  • das Product Backlog, in dem der Product Owner die wichtigsten Anforderungen an das Produkt schreibt.
  • das Sprint Backlog, in dem die Aufgaben für den nächsten Sprint festgehalten werden.
  • der Sprint: eine in der Regel zwei- bis dreiwöchige Phase. In dieser arbeitet das Entwicklungsteam - unterstützt durch den Scrum Master - die Tasks des Sprint Backlogs ab. 
  • das Produkt, das durch zahlreiche Scrum-Sprints schrittweise entsteht.


Was sind die Aufgaben des Product Owners?

Der Product Owner ist für ein Produkt verantwortlich. Er definiert seine Eigenschaften und sorgt dafür, dass es ein Erfolg wird. Damit das gelingt, muss der PO verschiedene Aufgaben erfüllen: 

Er...

  • tauscht sich regelmäßig mit verschiedenen Stakeholdern aus, zum Beispiel mit der Geschäftsführung. 
  • versetzt sich in die Lage der Kunden, welche das Produkt nutzen sollen. Mit diesem Wissen schreibt er alleine oder mit anderen Beteiligten zusammen die sogenannten User Stories - die einzelnen Anforderungen an das Produkt.
  • packt die User Stories zusammen mit Tasks, Qualitätsanforderungen und weiteren Dingen in das Product Backlog. 
  • ist der Hauptverantwortliche im Scrum-Prozess für die Sortierung und Priorisierung der Einträge im Product Backlog. 
  • sorgt dafür, dass die Aufgaben im Product Backlog für alle Beteiligten ersichtlich und verständlich sind.
  • trifft wichtige Entscheidungen oder schlägt diese vor, um die Produktvision besser erfüllen zu können.
  • hat regelmäßig Meetings mit dem Scrum Master und dem Entwicklungsteam.
     

Was sind die Unterschiede zwischen Product Owner, Projektleiter und Produktmanager?

Product Manager (Produktmanager), Product Owner und Project Manager (Projektleiter): Ist das nicht irgendwie das gleiche? Nein. Die Bezeichnungen werden zwar gerne synonym verwendet und ihre Aufgabengebiete überschneiden sich, doch es gibt ein paar deutliche Unterschiede. Hier eine vereinfachte Darstellung: 

  • Der Produktmanager (PM) entwickelt eine Produktvision, konzipiert das Produkt und betreut den Marketing-Mix (Produktentwicklung, Preispolitik, Distribution und Bewerbung). Oft ist ein Product Manager für mehrere Produkte gleichzeitig verantwortlich.
  • Der Projektleiter managt die Realisierung des Produktes, indem er stets die Faktoren Zeit, Budget und Qualität im Blick behält.
  • Der Product Owner arbeitet eng mit dem Entwicklungsteam und dem Scrum Master zusammen. Er kümmert sich um ein Produkt und achtet darauf, dass die Produktvision erfüllt wird.

Geht Ihr Unternehmen streng nach Lehrbuch vor, müssten sich der Product Manager und der Product Owner jeweils um folgende Tätigkeiten kümmern:
 


Die Aufgaben und Verantwortungsbereiche von Produktmanager, Product Owner und Projektleiter sind in der Theorie zwar getrennt, in der Praxis fallen sie allerdings fließend aus.
 

Product Owner, Produktmanager, Projektleiter und Scrum Master in einer Person?

In einigen Unternehmen agiert der Produktmanager wie ein Product Owner und der Product Owner wie ein Projektleiter. Und manchmal sind der Scrum Master und der Product Owner ebenfalls dieselbe Person.

Werden die verschiedenen Aufgaben und Rollen in einen Topf geworfen, spart das Kosten. Bei kleineren Unternehmen, die über wenig Personal und Budget verfügen, ist dieser Weg nachvollziehbar. Und er kann funktionieren. Doch er führt zu Spannungen und Problemen, denn die Aufteilung der verschiedenen Aufgaben auf mehrere Köpfe hat seinen Sinn - wie die Gewaltenteilung in einem Staat.

Möchten Sie in Ihrem Unternehmen eine sauber strukturierte, agile Entwicklung etablieren, sollten Sie auf eine Trennung der verschiedenen Rollen achten. So kann das Scrum-Team seine volle Stärke ausspielen, ohne dass einzelne Personen in einen Interessenkonflikt geraten. Und Sie vermeiden, dass der Product Owner mit Aufgaben zugeschüttet wird, was seine Leistungsfähigkeit ausbremst. Denn: Agilität bedeutet, schnell auf Veränderungen reagieren zu können!
 

Welche Fähigkeiten besitzt ein Product Owner?

Da Sie als Product Owner auf “mehreren Hochzeiten tanzen”, sollten Sie T-Shaped-Skills oder besser ein M-Profil besitzen. Das bedeutet: Idealerweise besitzen Sie Hard Skills und Soft Skills in unterschiedlichen Bereichen. 

Bei den “weichen” Faktoren glänzen Sie beispielsweise mit:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Überzeugungskraft
  • Teamfähigkeit
  • Neugierde
  • Empathie

Warum? Als Product Owner haben Sie es tagtäglich mit verschiedenen Parteien zu tun. Unter anderem tauschen Sie sich mit den Stakeholdern, dem Scrum Master und dem Entwicklungsteam aus. Sie hören sich deren Vorschläge an, kriegen Feedback zum Projekt und haben Probleme zu lösen. Zudem müssen Sie stets an die Produktvision und den Endkunden denken. 

Es zehren also mehrere Kräfte an Ihnen. Sorgen Sie mit einer klaren Kommunikation, mit Einfühlungsvermögen, Führungsstärke und strukturiertem Denken dafür, dass am Ende eine Sache gewinnt: das Produkt. Dessen Umsetzung und Erfolg ist ihr oberstes Ziel.

Wie wird man Product Owner?

Den Beruf des PO kann man derzeit weder als Ausbildung, noch als Studium erlernen. Stattdessen sollten Sie einen verwandten IT-Ausbildungsberuf oder ein passendes Studium (beispielsweise Wirtschaftsinformatik oder Betriebswirtschaftslehre) abgeschlossen haben. Auf dieser Basis können Sie eine zertifizierte Fortbildung oder Weiterbildung zum Product Owner aufbauen. Danach tragen Sie den Titel “Certified Product Owner”. 

Zudem müssen Sie mit dem Scrum-Framework und anderen agilen Entwicklungsmethoden vertraut sein. Idealerweise haben Sie vor Ihrer Weiterbildung zum Product Owner einige Jahre in der Softwareentwicklung gearbeitet, zum Beispiel als Projektleiter.
 

In welchen Unternehmen arbeiten PO?

Wie Sie in unserer Stellenbörse für IT Jobs und bei anderen Job-Portalen sehen können, werden PO bei Unternehmen jeder Größe gesucht. Startups, Agenturen, IT Dienstleister, Mittelständler und Großkonzerne sind gleichermaßen auf der Suche nach den speziellen Scrum-Experten. 

Product Owner kommen beispielsweise im SAP Umfeld, im E-Commerce, in der Immobilienbranche und beim Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen zum Einsatz. Eben überall da, wo Produkte nach einer agilen Methode - meist Scrum - entwickelt werden.

Nicht jeder Product Owner ist bei einem Unternehmen fest angestellt. Da die Agile-Profis heiß begehrt sind, gibt es zunehmend mehr Freelancer, die Ihre Dienste als selbstständiger Product Owner anbieten.
 

Was verdient ein Product Owner?

Das Gehalt eines PO liegt bei zirka 3.500 bis 5.500 Euro brutto im Monat beziehungsweise 42.000 bis 66.000 Euro im Jahr. Im Durchschnitt liegt der jährliche Verdienst eines Product Owners bei 55.000 Euro, was rund 4.600 Euro brutto im Monat entspricht.

In unseren Stellenausschreibungen für Product Owner bieten die meisten Unternehmen neben einem attraktiven Gehalt weitere Benefits. Dazu gehören beispielsweise flexible Arbeitszeiten, Jobtickets und Fahrtkostenzuschüsse, eine betriebliche Altersvorsorge, Sportangebote und erfolgsbasierte Boni.

Machen Sie sich als Product Owner selbstständig, können Sie einen Stundensatz zwischen 65 und 100 Euro bzw. 500 bis 800 Euro Tagessatz netto verlangen. Ein voll ausgelasteter Freelancer und erfahrener Product Owner verdient so 100.000 Euro und mehr im Jahr.
 

Bilder: Adobe Stock, Lean-BD