Vorstellungsgespräch: Diese eigenen Fragen sollten Sie als Bewerber stellen

Unser Tipp: Gehen Sie mit Fragen zum Vorstellungsgespräch! Wir verraten Ihnen, welche sich besonders gut eignen, um mehr über die ausgeschriebene Stelle zu erfahren.

Warum Sie mit Fragen ins Vorstellungsgespräch gehen sollten

Steht bei Ihnen demnächst ein Bewerbungsgespräch an? Dann sollten Sie sich darauf ordentlich vorbereiten, um Ihre Chancen auf den Job zu steigern. Wählen Sie das passende Bewerbungs-Outfit, trainieren Sie den Chamäleon-Effekt, beschäftigen Sie sich mit der STAR-Methode und bereiten Sie auf die Gehaltsverhandlungen vor.

Das ist nicht alles. Nutzen Sie das Bewerbungsgespräch, um ein paar gute Fragen zu stellen. Immerhin ist ein Job mehr als nur eine Tätigkeit an einem fremden Ort. Er nimmt einen Großteil Ihrer Lebenszeit ein - diese sollten Sie möglichst gut verbringen. 

Machen Sie sich deshalb vorher ein paar Gedanken über passende Fragen, die Sie im Vorstellungsgespräch anbringen können. Versuchen Sie so, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie das Unternehmen und seine Mitarbeiter “tickt”. Und finden Sie heraus, wie Ihre zukünftige Arbeit aussehen könnte.

Zudem zeigen Sie mit Ihren Fragen und Rückfragen im Vorstellungsgespräch, dass Sie ein echtes Interesse an der ausgeschriebenen Stelle und der Position haben. Das bringt gleich ein paar Sympathiepunkte beim Recruiter ein. Und mit klugen Fragen zeigen Sie, dass Sie schlau sind und eine gute Gesprächsführung beherrschen. Das sind gefragte Soft Skills, besonders in der IT.
 

Diese Fragen können Sie bei einem Bewerbungsgespräch anbringen

Sie wissen noch nicht genau, welche Fragen Sie im Vorstellungsgespräch Ihrem möglichen Arbeitgeber stellen können? Wir haben hier ein paar Inspirationen für Sie. Und wir erklären, warum Sie die Fragen im Gespräch anwenden sollten.
 

“Wie groß ist die Abteilung, in der ich arbeiten werde?”

Wenn Sie sich in einem großen Unternehmen bewerben, sagt das noch lange nichts über die Größe Ihres zukünftigen Teams aus. Vielleicht ist es viel kleiner als gedacht? Unter Umständen sind Sie der erste Mitarbeiter, weil eine Abteilung komplett aufgebaut wird.
 

“Wer arbeitet in meinem Team?”

Werden Sie es ausschließlich mit Python-Programmierern oder mit Frontend- und Backend-Entwicklern zu tun haben? Wird es einen Product Owner geben? Finden Sie heraus, wie homogen oder heterogen ihr Team oder die Abteilung zusammengestellt ist. Vielleicht gibt es Positionen, mit denen Sie sehr gut oder gar nur sehr schwer zurechtkommen?
 

“Wie sieht die Einarbeitung aus?”

Schmeißt man Sie gleich ins kalte Wasser oder hat das Unternehmen einen professionellen Onboarding-Prozess zu bieten? Bei manchen Jobs ist es eminent wichtig, dass Sie zuerst in Ruhe das Unternehmen insgesamt, Ihre Abteilung im Speziellen wie auch die fachlichen Zusammenhänge kennenlernen. Haben Sie das Gefühl, es gibt kaum eine Einarbeitung, deutet das auf eine stressigen Start hin.
 

“Wurde die Position neu geschaffen?”

Aufgrund der Digitalisierung entstehen in Unternehmen zunehmend neue Stellen, die es so bislang noch nicht gab. Das bedeutet zum einen, Sie können viele Dinge mitgestalten. Zum anderen kann es sein, dass man hohe Erwartungen an Sie und die frisch geschaffene Position hat.
 

“Welche Erwartungen haben Sie anfangs und später an mich?”

Diese Frage zielt zum einen auf den letztgenannten Punkt: Erwartet man von Ihnen, dass Sie gleich von Beginn an Höchstleistungen bringen sollen? Oder gibt man Ihnen den Freiraum, sich adäquat einzuarbeiten? Zum anderen finden Sie heraus, ob Sie bald mehr Aufgabengebiete übernehmen müssen, als in der Stellenausschreibung angegeben sind.
 

“Welche Zielvorgaben gibt es an mich?”

Mit dieser Frage klären Sie im Bewerbungsgespräch ab, ob es Kennzahlen gibt, die Sie zu erfüllen haben. Sollen Sie zum Beispiel einen gewissen Umsatz erzielen oder eine bestimmte Anzahl an Projekten meistern? Gibt es starre KPI (Key Performance Indikatoren) pro Jahr oder arbeitet das Unternehmen nach der flexibleren OKR-Methode (Objective Key Results)? 
 

“Wie flexibel bin ich in meiner Arbeit?”

Sind Sie ein Mensch, der gerne zeitlich flexibel arbeitet oder arbeiten muss (beispielsweise wegen Ihrer familiären Situation), sollten Sie diese Frage stellen. Denn Home Office und Remote Work haben sich zwar während der Corona-Pandemie bewährt, trotzdem fremdeln viele Unternehmen noch mit diesen Arbeitsweisen. 
 

“Nach welchen Projektmanagement-Methoden arbeiten Sie?”

Früher wurden fast alle Projekte nach dem Wasserfallmodell umgesetzt. Hierfür gab es starre Strukturen und feste Deadlines. Im Bereich der IT haben sich dagegen flexible, agile Arbeitsweisen etabliert. Sind Sie es beispielsweise gewöhnt, nach Scrum zu arbeiten, wird Ihnen eine Rückkehr in klassische Projektmanagement-Methoden wahrscheinlich schwer fallen.
 

“Welcher Führungsstil wird in meinem Bereich gelebt?”

Ist es Ihnen wichtig, selbstbestimmt zu arbeiten? Möchten Sie frei Ihre Meinung äußern dürfen? Oder wollen Sie aktiv an neuen Strategien mitarbeiten? Dann sollten Sie sich ein Unternehmen suchen, bei dem flache Hierarchien gelebt werden. Denn je größer eine Firma, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es feste Strukturen mit wenig Spielraum gibt.
 

“Wie sieht es bei Ihnen mit Fort- und Weiterbildungen aus?

Die IT Branche ist extrem schnelllebig. Jedes Jahr passiert hier gefühlt so viel in anderen Branchen in zehn Jahren. Deshalb sollten Sie sich fortwährend weiterbilden, um keinen Trend zu verpassen. Ebenso müssen Sie sich kontinuierlich in neue Technologien einarbeiten. Stellen Sie deshalb im Vorstellungsgespräch die Frage, wie Ihr möglicher zukünftiger Arbeitgeber seine Mitarbeiter fortbildet.
 

“Für welche Kunden werde ich arbeiten?”

Bewerben Sie sich auf einen SAP Job, haben Sie sicherlich viel mit externen Kontakten zu tun. Gleiches gilt, wenn Sie als IT Berater tätig sind. Machen Sie sich deshalb ein Bild, für welche Kunden und Geschäftspartner sie arbeiten werden. Vielleicht gibt es hier für Sie persönlich No-Gos?

“Welcher Software-Stack kommt bei Ihnen zum Einsatz?”

Sind Sie Softwareentwickler, dürfen Sie diese Frage im Bewerbungsgespräch nicht vergessen. Schließlich ist es für Ihre Position relevant, mit welchen Programmiersprachen, Frameworks und Tools Sie in Zukunft arbeiten sollen. Zudem verrät der Software-Stack auch etwas darüber, auf welchem Stand der Technik die Firma ist.
 

“Was für eine Hardware bekomme ich zur Verfügung gestellt?”

Dürfen Sie auf dem neuesten Macbook arbeiten oder kommen in dem Unternehmen nur “alte Möhren” zum Einsatz? Erhalten Sie ein Geschäftshandy? Machen Sie sich schlau, welches Equipment man Ihnen anbietet und ob Sie das auch privat nutzen dürfen. Und fragen Sie ebenso, ob BYOD (Bring Your Own Device) gelebt wird.
 

“Wie sieht die gelebte Firmenkultur aus?”

Jedes Unternehmen hat eine Firmenkultur - gleichgültig, ob sie erschaffen wurde oder von selbst entstand. Vielleicht interessiert es Sie, wie die Kollegen miteinander umgehen oder umzugehen haben. Wird beispielsweise gerne zusammen gefeiert oder abends noch ein Feierabendbier getrunken?
 

“Welche Zuschüsse zum Gehalt können Sie mir bieten?”

Nicht jeder Arbeitgeber kann es sich erlauben, Ihnen ein üppiges Gehalt zu bezahlen. Dieses Manko gleichen besonders Start-ups, Agenturen und mittelständische Unternehmen mit Zuschüssen und anderen Goodies aus. So gibt es unter anderem Boni-Systeme, kostenlose Jobtickets und Gutscheine fürs Fitnessstudio. Fragen Sie nach solchen - oft steuerfreien - Vorteilen.
 

“Wie sehen bei Ihnen die Aufstiegschancen aus?”

Ist Ihnen klar, dass Sie die Karriereleiter erklimmen möchten, sollten Sie diese Frage anbringen. Macht man Ihnen klar, dass es kaum Aufstiegschancen gibt, können Sie sich nach anderen Optionen erkundigen. Unter Umständen besteht die Möglichkeit, dass Sie zukünftig in einer anderen Niederlassung oder im Ausland arbeiten dürfen.
 

Was Sie bei Ihren Bewerberfragen beachten sollten

Am besten bereiten Sie sich gut vor, indem Sie sich die wichtigsten Fragen notieren. Und haben Sie keine Scheu davor, einen Zettel mit ins Vorstellungsgespräch zu nehmen. 

Doch stellen Sie nicht zu viele Fragen! Das könnte einerseits so wirken, als könnten Sie sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren. Andererseits entsteht unter Umständen der Eindruck, Sie möchten die Gesprächsführung bestimmen.

Zudem müssen Sie darauf achten, was Sie fragen. Manche Fragen gelten als unpassend. Welche das sind, erläutern wir Ihnen demnächst in einem anderen Beitrag. Dazu kommt, dass schlecht formulierte Fragen “dumm” wirken, was Ihren Eindruck bei den Personalverantwortlichen schmälert.

Somit gilt: Qualität vor Quantität! Beherzigen Sie diese alte Weisheit auch im Bewerbungsgespräch. 

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