KI als Jobkiller? Werden Programmierer in Zukunft noch gebraucht?

Lohnt es sich, Programmieren zu lernen und Softwareentwickler zu werden? Oder ist der Job des Developers zum Aussterben verurteilt? Diesen Fragen gehen wir hier nach.

Müssen Softwareentwickler um ihre Jobs bangen?

„KI programmiert so gut wie ein Mensch“, „In fünf Jahren gibt es keine Programmierer mehr“ oder „KI wird die meisten Programmierjobs überflüssig machen“: In den vergangenen Monaten geisterten einige erschreckende Schlagzeilen und Aussagen durch die Medien. Der Auslöser dafür war der bahnbrechende Erfolg von ChatGPT. Das KI-Tool fand extrem großen Anklang und ließ unzählige Nachahmer wie Pilze aus dem Boden schießen.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, ChatGPT und Co. zu nutzen. Eine davon ist die Entwicklung von Code, denn die Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz unter der Haube beherrschen unter anderem beliebte Script- und Programmiersprachen wie JavaScript, Python, PHP, C++, C# und SQL. 

Noch ist der Code, den die KI-Tools generieren, häufig teilweise fehlerhaft, instabil oder unsicher. Aber es gilt als ziemlich sicher, dass mit der Weiterentwicklung des Machine Learnings auch die Programmierfähigkeiten von ChatGPT und all seinen Brüdern und Schwestern besser werden. Unter Umständen wachsen die Fähigkeiten der „KI-Developer“ sogar exponentiell.

Es ist daher verständlich, dass Softwareentwickler, die ihren Beruf schon seit einigen Jahren ausüben, um ihre Zukunft fürchten. Ebenso verständlich ist es, wenn sich Einsteiger fragen, ob sie das Programmieren überhaupt lernen sollen. Schließlich könnten beide Gruppen schon bald mit KI-Anwendungen konkurrieren – und unter Umständen das Rennen verlieren.
 

Die große Frage: Werden Programmierer durch KI wirklich arbeitslos?

Diese Frage lässt sich heute nicht beantworten. Niemand hat eine Glaskugel und kann in die Zukunft schauen. Auch die besten Experten können keine klaren Prognosen abgeben, wie sich die Welt verändern wird. 

„Das Beste an der Zukunft ist, dass sie uns immer einen Tag nach dem anderen serviert wird“, soll Abraham Lincoln einmal gesagt haben. Recht hat er, denn nichts ist so ungewiss wie das Morgen. Dennoch wollen wir an dieser Stelle ein wenig über die Zukunft der Softwareentwickler spekulieren. Dabei gehen wir von zwei Perspektiven aus: dem negativen und dem positiven Ausblick.
 

Der negative Ausblick: Künstliche Intelligenz übernimmt die meisten Developer-Aufgaben

In diesem Szenario beherrscht die Künstliche Intelligenz bald alle gängigen Programmiersprachen. Der Code ist exzellent und es gibt keinen Grund zur Beanstandung. In diesem Fall werden die viele Entwickler tatsächlich überflüssig, weil die KI-Programme effizienter – also schneller, fehlerfreier und billiger – als Menschen arbeiten. 

Doch auch in einer „düsteren Zukunft“ wird es sicherlich einige Lichtblicke und damit Arbeitsplätze für Entwickler geben. Zum Beispiel im Bereich der Softwarearchitektur, sprich: in der Planung, und in der Quality Assurance, also in der Qualitätssicherung. Vielleicht werden die KI-Tools bei unpopulären Programmiersprachen wie Cobol, Fortran oder ABAP weniger stark sein. Das könnten dann Nischen für versierte Software Developer werden.

Ein weiterer Bereich, auf den sich Programmierer fokussieren könnten, ist das Prompting. Denn bisher reagieren KI-Tools nur reaktiv auf die Eingaben der User. Damit der Code oder die fertigen Anwendungen so werden, wie wir Menschen sie uns vorstellen, müssen wir den „Maschinen“ die richtigen Anweisungen geben. Die Qualität der Ergebnisse hängt unter anderem vom Briefing, also den Prompts, ab.
 

Der positive Ausblick: KI-Tools übernehmen nur teilweise die Arbeit von Entwicklern

Obwohl ChatGPT, Google Bard, Tabnine, GitHUb Copilot, AlphaCode und dergleichen immer leistungsfähiger werden, können Sie – zumindest in den kommenden Jahren – wahrscheinlich keine komplexen Herausforderungen meistern. Sie dienen eher dazu, Programmierer zu unterstützen oder um einfache Lösungen entwickeln zu lassen. Bei komplexen Herausforderungen müssen immer noch Entwickler aus Fleisch und Blut den Code durchleuchten und die Ergebnisse auf Herz und Nieren testen. 

Das bedeutet, dass der menschliche Softwareentwickler immer weniger selbst programmiert und immer mehr zum Projektleiter und QA-Manager wird. Das ist auch gut so! Denn schon heute herrscht im IT-Bereich ein eklatanter Fachkräftemangel, vor allem freie Entwickler sind rar. Es sieht nicht so aus, als würde sich daran etwas ändern. Im Gegenteil: Die fortschreitende Digitalisierung erfordert immer mehr Experten, die sinnbildlich mit Bits und Bytes umgehen können.

KI-Tools wären eine gute Lösung für den Fachkräftemangel. Unter anderem könnten Unternehmen ihre einfachen Anwendungen von ChatGPT programmieren lassen und die Developer managen die Umsetzung. Oder die Programmierer konzentrieren sich auf Projekte, bei denen ein reger Austausch zwischen Menschen erforderlich ist – zum Beispiel zwischen Auftraggebern, Auftragnehmern und Endkunden.

Fazit: Lohnt es sich also, Programmieren zu lernen?

Ja, definitiv. Developer werden heute und auch in naher Zukunft händeringend gesucht. Große wie auch kleine Unternehmen haben einen gigantischen Bedarf an digitalen Lösungen. Um diesen Bedarf zu decken, wäre es sogar wünschenswert, wenn KI-Tools schnell viele Coding-Aufträge übernehmen könnten – oder zumindest als Assistenten den Programmierern zur Seite stehen, um die Softwareentwicklung zu beschleunigen.

Besteht mittelfristig die Gefahr, dass Programmierer von Künstlicher Intelligenz verdrängt und zum Citizen Developer degradiert werden?  Davon gehen wir nicht aus. Genauso wie es trotz Mikrowelle und Thermomix immer noch Köche gibt (und zwar viel zu wenige!), werden auch in fünf oder zehn Jahren Entwickler gefragt sein. 

Klar ist aber: Viele Entwickler-Jobs werden sich verändern. Programmierer müssen zum Beispiel lernen, wie sie KI-Anwendungen in ihre tägliche Arbeit integrieren können, um effektive und effiziente Ergebnisse zu erzielen. Der eine oder andere Coder wird seine ausgetretenen Pfade verlassen müssen, um sich in Richtung Planung, Projektmanagement, DevOps, Qualitätssicherung oder Prompting weiterzuentwickeln.

Wie sagte schon Victor Hugo, ein französischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts: „Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“ Sehen Sie also die Chancen der KI-Revolution und nehmen Sie Ihre Karriere aktiv in die Hand!

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