Was Arbeitgeber in der IT für eine bessere Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter tun können

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IT-Unternehmen haben einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie gute Work-Life-Balance bieten.

Von einer gesunden Work-Life-Balance profitieren sowohl IT-Fachkräfte als auch IT-Unternehmen. Denn Termindruck, Komplexität und Schnelligkeit in der IT-Welt machen es absolut erforderlich, dass Mitarbeiter sich wohl fühlen und regenerieren können. Dies wiederum gelingt nur, wenn Beruf und Privates in einer Balance stehen.

 

Familienfreundlichkeit: Top-Kriterium von Arbeitnehmern

Eine gute Work-Life-Balance ermöglicht es Mitarbeitern, ihre Leistungsfähigkeit und Kreativität langfristig zu erhalten. Kein Wunder, dass die Vereinbarkeit von Job und Privatleben auf der Wunschliste der Arbeitnehmer ganz oben steht: Für 96,1 Prozent der Beschäftigten mit Kindern sowie 87,8 Prozent der Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen gehören familienfreundliche Angebote zu den wichtigsten Kriterien für einen attraktiven Arbeitgeber.
 

Die Definition des Begriffs Work-Life-Balance

...ergibt sich aus den englischen Begriffen Arbeit (Work) und (alle Aspekte einschließend) Leben (Life), die im Gleichgewicht (Balance) sein sollen. So soll der Mensch die Gelegenheit haben, Privatleben, Berufsleben und Familienleben gleichermaßen zu seiner Zufriedenheit zu gestalten.

Für Unternehmen im IT-Bereich ist die Work-Life-Balance zudem ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im Kampf um die besten Mitarbeiter. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist ein Kriterium, dem potenzielle Mitarbeiter bei der Auswahl ihres Wunsch-Arbeitgebers große Bedeutung beimessen. Außerdem wird die Work-Life-Balance auch von Arbeitgeber-Bewertungsportalen abgefragt.

Zudem denken IT-Fachkräfte mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance seltener über einen Jobwechsel nach.

Das zahlt sich aus: Denn die Nachfrage nach IT-Experten wächst.  Zahlreiche Unternehmen suchen Spezialisten im IT-Bereich. Kompetente Personalberatung kann dabei mit Rekrutierungs-Services helfen, auch und insbesondere bei IT-Führungspositionen.
 

Was sind Work-Life-Balance-Maßnahmen?

Negativ-Faktoren für die Work-Life-Balance sind Schichtarbeit, verpflichtende Präsenzzeiten oder informelle Arbeitszeiterwartungen, also Erwartungen an die tatsächliche Arbeitszeit von Beschäftigten, die regelmäßig deutlich über das vertraglich vereinbarte Maß hinausgehen.


Verantwortung für Kinder und Pflege von Angehörigen

Betriebliche Work-Life-Balance-Maßnahmen dagegen fördern die Vereinbarkeit des Berufslebens mit allen weiteren Lebensbereichen. Besonders oft wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als erstrebenswert skizziert – das schließt Aufgaben, wie die elterliche Verantwortung für Kinder oder die Pflege von Angehörigen ein. Die Rolle der Väter hat dabei in den vergangenen Jahren rasant an Gewicht gewonnen: Ging es vor wenigen Jahrzehnten noch primär um die Vereinbarkeit der Mutterrolle mit dem Beruf, so drehen sich die Überlegungen jetzt um die Elternrolle. Viele Unternehmen motivieren Väter, Elternzeitregelungen in Anspruch zu nehmen und sich nicht von Klischees oder befürchteten Nachteilen davon abhalten zu lassen.

Der Wegfall von Vorurteilen und Klischees darf also absolut als Voraussetzung und Bestandteil einer guten Work-Life-Balance verstanden werden. Vorgesetzte sind gut beraten, das Kümmern um Kinder, das Pflegen von Angehörigen sowie das Wahrnehmen weiterer Aufgaben zu respektieren und – ohne durchschaubare Lobeshymnen – anzuerkennen. Faustregel: Anerkennung durch Taten und Freiräume zählt mehr als durch Worte.

Freiraum für Netzwerken, Lernen und Hobbys

Wählt man statt "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" schlicht den Begriff "Work-Life-Balance", so deckt diese Wortwahl stärker die Belange von Personen ohne familiäre Prioritäten ab – beispielsweise, aber nicht nur: Singles. Stellt man nun Familie in den Mittelpunkt oder nicht?– letztlich geht es stets darum, dass der Mensch alle Lebensbereiche unter einen Hut bringen kann, sich entfalten, weiterentwickeln und regenerieren kann. Dazu zählen beispielsweise auch das Bedürfnis, in der Freizeit soziale Kontakte zu pflegen und auch Hobbys nachzugehen sowie zu persönlichen und beruflichen Themen up to date zu bleiben.

 

Maßnahmen für eine bessere Work-Life-Balance

...zielen laut Bundesregierung darauf ab,

"erfolgreiche Berufsbiografien unter Rücksichtnahme auf private, soziale, kulturelle und gesundheitliche Erfordernisse zu ermöglichen".

Klar ist: Bestrebungen, die Work-Life-Balance zu verbessern, dienen der Humanisierung der Arbeitswelt und auch der Chancengleichheit.

Doch wie kann das funktionieren? Wie können HR-Verantwortliche und Personalberatungen darauf hinwirken, dass Unternehmen den Nutzen von Investitionen in die Work-Life-Balance erkennen?

 

Von guter Work-Life-Balance profitieren alle

Von einer dreifachen Win-Situation berichtete schon vor vielen Jahren (2005) das Forschungsinstitut Prognos in einer Studie für die damalige Bundesregierung. Wenn sich Unternehmen von der Präsenzkultur verabschieden und integrierte Konzepte für eine gute Work-Life-Balance an den Start bringen, dann profitieren alle Seiten in mehrfacher Hinsicht, hieß es in der damaligen Ausarbeitung. Im Detail:

Vorteile von Work-Life-Balance-Konzepten für die Beschäftigten

  • größere Rücksicht auf private Belange
  • mehr Zeitsouveränität
  • mehr Sicherheit durch Rückkehroptionen
  • berufliche Laufbahn verstetigt sich und wird planbarer

Vorteile von Work-Life-Balance für Unternehmen

  • geringere Fluktuation
  • daher weniger Zeitaufwand und Kosten
  • Steigerung der Produktivität
  • Rendite – je nach Studie – von 25 Prozent bis 40 Prozent bei Investitionen in familienfreundliche Maßnahmen

"Wir sind überzeugt", sagt etwa der Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel in einer Reportage zur führenden Rolle von Unternehmen wie Bosch, Trumpf und Porsche bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit, "dass unsere Beschäftigten durch flexiblere Arbeitsmodelle zufriedener und damit kreativer sind. Gute Ideen kommen nun mal nicht auf Knopfdruck, sondern manchmal auch beim Joggen oder beim Arbeiten auf der Terrasse."

Vorteile guter Work-Life-Balance für die Gesellschaft

  • höhere Erwerbsbeteiligung
  • höhere Haushaltseinkommen
  • niedrigere Sozialversicherungsbeiträge
  • höheres Steueraufkommen
  • höheres Bruttoinlandsprodukt
  • sogar die Geburtenrate steige an
     

Investitionen in Work-Life-Balance zahlen sich aus

IT-Unternehmen, die in eine gute Work-Life-Balance investieren, profitieren von den getätigten Investitionen, das steht fest. Im Bereich der familienfreundlichen Maßnahmen sind Investitionen in zahlreichen Bereichen sinnvoll:

Wo IT-Unternehmen in Work-Life-Balance investieren können

  1. Familienbewusste Teilzeitmodelle: Hier fällt Aufwand in der Personalabteilung an, die Teilzeitmodelle planen und verwalten muss.
  2. Betreuungsangebote: Soll eine innerbetriebliche Kinderbetreuung aufgebaut werden, so fallen einmalige Investitionen an, etwa für die Bereitstellung von Räumlichkeiten. Zudem entstehen laufende Kosten für Personal. Bei außerbetrieblichen Betreuungsangeboten fallen Kosten für fortlaufende Kinderbetreuungszuschüsse an. Weitere Investitionen sind angezeigt, falls das Unternehmen eine inner- oder außerbetriebliche Notfallbetreuung anbieten möchte.
  3. Beratungsangebote: Inner- und außerbetriebliche Beratungsangebote sind denkbar. Es kommen beispielsweise Internetplattformen infrage, die Familien-Serviceleistungen vermitteln, oder beratende Angestellte, die intern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit beim Erreichen einer guten Work-Life-Balance helfen.
  4. Home Office: Direkte Investitionen fallen für die Bereitstellung und Inbetriebnahme von Home-Office-Angeboten an: dazu gehören unter anderem IT Support und Software wie z.B. VPN Clients.
  5. Elternzeit-Begleitung: Es empfiehlt sich ein Kontakthalteprogramm, damit Mitarbeiter in Elternzeit nicht den Nachteil erleiden, dass der Kontakt zum Unternehmen während der Elternzeit zu stark leidet.
  6. Haushaltsnahe Dienstleistungen: Investitionen können hier beispielsweise für Raummieten anfallen.
  7. Pflegeunterstützung: Kosten können beispielsweise für den Zugang zu Internet-Plattformen anfallen, die Pflege-Serviceleistungen vermitteln.
  8. Zusätzliche Arbeitszeitinvestitionen für die Organisation: Für Führungskräfte und auch für die Personalabteilungen fallen Zusatz-Investitionen an, denn Vereinbarkeitsmaßnahmen bedeuten jeweils einen erhöhten Zeitaufwand.

Unternehmen profitieren: Einsparungen durch gute Work-Life-Balance

  • Unternehmen, die in Familienfreundlichkeit investieren, verhindern, dass Elternzeit als Karrierebremse im Unternehmen wahrgenommen wird. Die Folge: Mütter und Väter nehmen die Elternzeit eher in Anspruch und kommen früher zurück ins Unternehmen.
  • Die Doppelbelastung entfällt, die wahrgenommen wird, wenn berufliche und familiäre Verpflichtungen schwer vereinbar sind. Das führt zu geringeren Fehlzeiten.
  • Zudem profitiert die Motivation, was zu höherer Produktivität führt.
  • Es muss weniger externes Personal zur Überbrückung von Elternzeit akquiriert werden, mit entsprechenden Kosteneinsparungen durch geringere Überbrückungskosten.
     

IT-Unternehmen sollten Beruf und Familie vereinbar machen

Auch wenn sich das Thema Work-Life-Balance sehr weit fassen lässt: Im Bereich Beruf versus Familie und Kinder ist der Leidensdruck immer noch besonders groß. Das zeigen aktuelle Studien. Für Frauen in der IT ist die mangelhafte Vereinbarkeit von Beruf und Familie das größte Karrierehemmnis. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von mehr als 500 Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. 62 Prozent der Personalverantwortlichen machen demnach fehlende Kinderbetreuung verantwortlich für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen in der IT-Branche. Etwa die Hälfte moniert Probleme beim Wiedereinstieg. Dazu zählen:

  • fehlender Kontakt während der Elternzeit
  • ungünstige Arbeitszeiten
  • eine vorherrschende Präsenzkultur
     

Doch wie können IT-Unternehmen die Work-Life-Balance verbessern?

Nicht nur, aber gerade was die Präsenzkultur betrifft - böse Zungen nennen sie "Absitzen von Zeit": Home Office sowie mobile Arbeitsformen können hier den Durchbruch bringen. Des Weiteren können sie die Work-Life-Balance verbessern. Das belegt eine Roland-Berger-Studie für das Bundesfamilienministerium. Sie stellt fest:

  • Home Office hilft in Sachen Work-Life-Balance nachhaltig weiter. Beschäftigte, die bereits jetzt mit der Hilfe von Computer und Internet zu Hause arbeiten, erklären zu 85 Prozent, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der eigenen Familie gut gelingt.
  • Das sagen nur 33 Prozent derjenigen, die keine solche Möglichkeit haben.
  • Die Zeitersparnis durch mobile Arbeitsformen beträgt im Durchschnitt 4,4 Stunden in der Woche.
  • Diese Zeitersparnis wird von 80 Prozent als Familienzeit genutzt. Von den Vätern geben über 40 Prozent an, dass sie dank (einem Teil der Arbeit im) Home Office ihre berufstätige Partnerin entlasten können.

Entfalten kann sich der positive Einfluss von Home Office und mobilem Arbeiten laut Studie dann am besten, wenn die folgenden sechs Punkte beachtet werden:

  1. Vorbehalte gegen die praktische Machbarkeit abbauen: Hier können Beispiele für erfolgreiches mobiles Arbeiten und Home Office aus unterschiedlichen Branchen einen Beitrag leisten. Damit lässt sich ein klareres Bild von der Arbeit im Home Office entwickeln.
  2. Den Kulturwandel fördern: Hier sollte das Unternehmen die vorteilhaften Auswirkungen einer guten Work-Life-Balance durch Home Office und mobiles Arbeiten für Beschäftigte und Unternehmen verdeutlichen. Eine Aufgabe für HR und Interne Kommunikation.
  3. Die Nachfrage stärken: Wenn schon Angebote für eine bessere Work-Life-Balance gemacht werden, dann sollten sich Unternehmen auch darum bemühen, dass diese bekannt werden und in Anspruch genommen werden. Das Home Office bei Müttern und Vätern sollte als ein karrierefreundlicher Weg mit besserer Work-Life-Balance und als Alternative zur Arbeit in geringfügiger Teilzeit positioniert werden.
  4. Digital unterstützte mobile Arbeitsformen ausbauen: Wo Breitband-Internet für Home Office und mobiles Arbeiten fehlt, sollte den Mitarbeitern unter die Arme gegriffen werden. Hier empfiehlt es sich für Unternehmen kostengünstige Übergangslösungen zu prüfen und Beteiligte über technische Anforderungen zu unterrichten.
  5. Praktische Machbarkeit sicherstellen – konkrete Herausforderungen der Arbeit im Home Office identifizieren und gemeinsam bearbeiten.
  6. Verständigung auf „guten Umgang“ mit mobilem Arbeiten: Mustervereinbarungen und Lösungen für die praktische Umsetzung im Alltag aufzeigen.

"Manager müssen lernen, sich bewusst Grenzen zu setzen und nicht endlos nach mehr Leistung, Erfolg oder Anerkennung zu streben", forderte Harvard-Professor Howard Stevenson bereits 2004 in seinem Beitrag "Erfolgreich und glücklich". Es komme eben darauf an, sowohl beruflich als auch privat erfolgreich zu sein.

Als IT-Personalentscheider und in der IT-Personalberatung können Sie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass dies immer mehr Menschen gelingt.
 

Infografik zur Work-Life-Balance

Unternehmen und Beschäftigte profitieren gleichermaßen von einer vereinbarkeitsfreundlichen Unternehmenskultur. Die Infografik „Checkliste HR-Trends“ von „Erfolgsfaktor Familie“ veranschaulicht dies anhand zentraler Fakten aus aktuellen Studien des Unternehmensprogramms.