Leader oder Boss: Welcher Führungsstil passt am besten zu Ihnen?

Sie streben eine Position mit Personalverantwortung an? Finden Sie heraus, welchen Führungsstil Sie leben und bei Ihrem zukünftigen Team anwenden.

Führungsstil Boss vs. Leader: Was sind die Unterschiede?

Hinter den Begriffen „Boss“ (deutsch: „Chef“) und „Leader“ (im Deutschen nicht ganz treffend mit „Leiter“ oder „Führer“ zu übersetzen) verbergen sich zwei unterschiedliche Arten der Mitarbeiterführung. Ein Boss setzt beispielsweise auf starre Hierarchien, Autorität und Kontrolle. Ein Leader hingegen punktet mit Flexibilität, Freiraum und Kooperation.
 

Weitere Unterscheidungsmerkmale dieser Führungsstile finden Sie in dieser Gegenüberstellung:

Boss

Leader

Setzt auf Autorität

Baut auf Einfluss und Vertrauen

Fokussiert sich auf Prozesse

Legt Wert auf Innovation und Weiterentwicklung

Priorisiert den Profit

Strebt nach Veränderung und Wachstum

Erhält seinen Respekt durch Position

Verdient seinen Respekt durch Handlungen

Orientiert sich an Regeln

Fördert Kreativität und Flexibilität

Kontrolliert seine Mitarbeiter

Inspiriert und motiviert seine Mitarbeiter

Arbeitet oft isoliert

Arbeitet eng mit dem Team zusammen

Heimst alleine die Erfolge ein

Lässt das Team an Erfolgen teilhaben

Spricht im „Ich will“-Befehlston

Redet in der „Wir“-Form

Baut klare Hierarchie auf

Bevorzugt lockere Strukturen


Was macht die unterschiedlichen Führungsstile aus?

Leader und Boss sind zwei gegensätzliche Philosophien und Arten, wie Vorgesetzte ihre Teams oder Manager ihre Mitarbeiter führen können. Der Chef, der an der Spitze der Hierarchie steht und Anweisungen gibt, die seine „Untergebenen“ ausführen müssen, ist ein traditionelles Konzept, das seit Jahrhunderten existiert. Die Rolle des Leaders, der eher informell agiert, hat sich erst in den letzten Jahren etabliert.

Das Leadership-Konzept stellt viele klassische Führungsmethoden in Frage und auf den Kopf. Der Vorgesetzte wird mehr zum Sparringspartner, der inspiriert, Veränderungen anstößt und motiviert.
 

Leader oder Chef: Was gilt als besser?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Beide Führungsstile haben ihre Berechtigung und ihre eigenen Vor- und Nachteile. So kann ein Chef, der klare Ansagen macht und ein Team mit klaren Prozessen und Zielen führt, sinnvoll sein, wenn die Mitarbeiter keine Eigenverantwortung übernehmen wollen oder können. Auch in Krisenzeiten, in denen unangenehme Entscheidungen getroffen und harte Maßnahmen umgesetzt werden müssen, ist ein Chef besser geeignet.

Für kreative Branchen oder Projekte hingegen sind Leader sehr gut geeignet. Sie sorgen dafür, dass Gedanken frei fließen, „verrückte“ Ideen verfolgt und Experimente durchgeführt werden können. Eine offene Kultur des Scheiterns sorgt dafür, dass Misserfolge in Ordnung sind und aus diesen gelernt werden kann. So können innovative und bahnbrechende Konzepte mit weniger Druck und Angst umgesetzt werden.
 

Leadership oder Führung: Was ist in der IT mehr gefragt?

Ganz klar: IT Unternehmen bevorzugen heute eher die Leader. Denn die Software- und Digitalbranche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wo früher streng nach dem Wasserfallmodell vorgegangen wurde und Projekte über viele Monate oder gar Jahre bis ins Detail geplant wurden, ist heute ein agiles Vorgehen angesagt.

Warum? Die Märkte und auch die Kundenwünsche ändern sich extrem schnell. Was heute noch „in“ ist, kann morgen schon wieder „out“ sein. Deshalb müssen sich Teams und Unternehmen schnell anpassen, um mithalten zu können. Zudem ist es ratsam, mit Innovationen zu punkten, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Agilität und Kreativität lassen sich nur schwer befehlen und mit starren Strukturen umsetzen. Besser ist es, offen zu bleiben und immer wieder Neues auszuprobieren. In der Softwareentwicklung wird deshalb iterativ vorgegangen. Das heißt: Ein Produkt wird mit Methoden wie Scrum in kurzen Abständen entwickelt, veröffentlicht und getestet. Aus den gesammelten Daten und dem Feedback leitet man Erkenntnisse ab, die für die nächsten Schritte genutzt werden.

Ein Leader fördert den Wandel. Er entwickelt Visionen und passt sie laufend den Gegebenheiten an. Er motiviert sein Team, ständig am Ball zu bleiben und „Out of the box“ zu denken. Strukturen und fest definierte Prozesse zählen hier weniger als das schnelle Erzielen eines Ergebnisses.

Bewerbung: Welchen Führungsstil sucht das Unternehmen?

Wenn Sie sich auf eine Führungsposition bewerben, sollten Sie wissen, welchen Führungsstil das Unternehmen von Ihnen erwartet. Leider wird in Stellenanzeigen selten konkret angegeben, ob ein Leader oder ein Boss gesucht wird. 

Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, an denen Sie eine Tendenz ablesen können. Achten Sie zum Beispiel auf folgende Punkte:

  • Nennt sich eine Position „Team Leader“ oder „Agile Coach“, wird ganz klar ein Leader gesucht.
  • Sollen Sie klassisches Projektmanagement beherrschen und mit Überzeugungskraft führen, müssen Sie ein Boss-Typ sein.
  • Man erwartet von Ihnen ein agiles Mindset und eine Hands-on-Mentalität? Ganz klar: Sie sollten ein Leader sein!
  • Sie haben disziplinarische Führung und das Controlling in Projekten zu übernehmen? Dann spricht das eher für eine Chef-Rolle.

Sie sind sich nicht ganz sicher, welche Art von Führungskraft ein Unternehmen sucht? Dann nehmen Sie direkt Kontakt auf! Fragen Sie bei der Personalabteilung nach, was genau von Ihnen erwartet wird.
 

Fazit: Was Sie aus den Informationen schließen sollten

Sind Sie eher der Führungstyp Chef oder eine Führungskraft? Was entspricht eher Ihrer Persönlichkeit? Finden Sie es heraus! Die wenigsten Menschen können zwischen beiden Rollen hin und her wechseln. Meist sind Sie eher der Chef, der antreibt oder eher der Charakter, der gemeinsam im Team etwas voranbringen möchte.

Wenn Sie wissen, welchen Führungsstil Sie leben, sollten Sie sich nur auf Stellen bewerben, die „matchen“. Wenn Sie eine Rolle übernehmen, die gut zu Ihnen passt, werden Sie sich wohlfühlen und gute Leistungen erbringen.

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